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Chinatsu Murayama (7. Dan) betreibt seit über 35 Jahren aktiv Kendo. Als 5-fache Siegerin vom All Japan Championship und Kyoshi beantwortete sie mit ihrer Weisheit und Erfahrung während der Seminaren des Neujahrstrainings 2019 die Fragen der neugierigen Teilnehmer.
Als Übersetzerin half dabei Dance Yokoo aus München.

In diesem Beitrag sind einige dieser Fragen und Antworten gelistet.
Ein großer Dank gilt an unsere Kendoka-Freunde aus Heidelberg für die Überprüfung meiner Aufzeichnungen auf Richtigkeit.
Trotzdem keine Gewähr auf Richtigkeit.
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Frage: „Wie lange machen Sie schon Kendo?
Murayama-sensei: „Ich habe mit 7 Jahren angefangen und bin jetzt 44.“

Frage: „Haben Sie während Ihrer langen Kendozeit viele Verletzungen bekommen?
Murayama-sensei: „Nein, ich hatte keine großen Verletzungen, sondern nur die typischen Trainingsbeschwerden wie Blasen an den Füßen. Hierbei muss ich meinen Eltern für meine Robustheit danken. Größere Verletzungen waren lediglich Achillessehnenrisse und Rückenschmerzen.“

Frage: „Was gefällt Ihnen am Kendo am meisten?“
Murayama
sensei: „Durch Kendo wurde ich zu vielen Lehrgängen eingeladen und konnte somit viele verschiedene Menschen kennenlernen.“

Frage: „Wie oft haben Sie pro Woche trainiert?
Murayama-sensei: „Im Alter von 25-36 Jahren war ich im Polizei-Kader. In dieser Zeit trainierten wir täglich 5h. Dann habe ich das Kader verlassen und habe auch eine andere Polizeistelle angenommen, bei dem ich weniger Zeit für Kendo hatte. Seit dem 36. Lebensjahr trainiere ich 5x die Woche 20min am Tag.“

Frage: „Hat sich Kendo speziell für Frauen all‘ die Jahre geändert?
Murayama-sensei: „Es gibt nun viel mehr weibliche, darunter auch ältere, Kendoka. Und früher bestanden die Wettkampf-Mannschaften aus Personen, die maximal 26 Jahre alt waren. Heute sind auch viele Kendoka mit +30J. erfolgreich.“

Frage: „Wie oft haben Sie Meisterschaften gewonnen und in welchem Alter war das?“
Murayama-sensei
: „Das erste Mal war mit 31 Jahren. Bis ich 33 wurde, gewann ich drei weitere. Mit 34 Jahren kam ich bis ins Finale. Dann gewann ich noch einmal mit 35 und mit 37 Jahren.“

Frage: „Welchen Einfluss hatte Kendo auf Ihr Privat- und Berufsleben?
Murayama-sensei: „Ich konnte viele Lehrgänge auf der Welt besuchen und -wie hier- eine Menge verschiedener Menschen kennen lernen. Zum Beispiel bin ich gerade während meiner Freizeit hier. Ich bin nicht beruflich hier beim Lehrgang.“

Frage: „Warum sind Sie zur Polizei gegangen?
Murayama-sensei: „Ich wollte Kendo professionell machen. In Japan bleiben da einem eigentlich nur zwei Wege: Entweder man wählt die Polizei, oder man wird Lehrmeister.“

Frage: „Welchen Vorteil hatten Sie im Kendo durch Ihre Größe?
Murayama-sensei: “ Sie sind eigentlich auch groß.“ (lacht)
„In Deutschland bin ich nicht sehr groß. In Asien schon. Kleinere Personen müssen erst auf ihren bestimmten Abstand zum Gegner herankommen, um diese treffen zu können. Größere müssen es nicht.“

Frage: „Haben Sie schon andere Länder besucht und welche waren es?“
Murayama-sense
i: „Einmal alle drei Jahre bin ich in Amerika. Das war bisher zweimal der Fall. Da gebe ich Lehrgänge.
In England, St.Paolo, Vancouver und Glasgow trat ich in Wettkämpfen an. In der letzteren Stadt war ich die älteste im Team.“

Frage: „Gibt es in Japan einen Unterschied zwischen dem Kendo von Herren und Frauen?
Murayama-sensei: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es keine Unterschiede gibt. Warum ich so denke? Die Danprüfungen werden in gemischten Gruppen durchgeführt. Gäbe es Unterschiede, wäre es nicht so. Beobachtet habe ich nur, dass Frauen weniger kraftintensiv schlagen und mehr weichere Techniken anwenden.“

Frage: „Welche Ziele haben Sie im Kendo noch?“
Murayama-sensei
: „Den 7. Dan erlang ich mit 39 Jahren. Mein nächstes Ziel ist der 8. Dan. Damit wäre ich auch die allererste Frau mit dem 8. Dan.“

Frage: „Woran sollen wir Deutschen am meisten arbeiten, um in Kendo auf so ein hohes Niveau wie in Japan zu kommen?
Murayama-sensei: „Ich sehe, dass ihr alle motiviert seid und euch anstrengt. Worauf Ihr achten solltet, wird im Training immer gesagt. Ansonsten würde ich sagen, dass man intensiv Kihon/Grundlagen üben muss.“

Frage: „Werden wir Kata trainieren?
Murayama-sensei: „Ja.“

Frage: „In manchen Vereinen Deutschlands wird die Kata nur selten trainiert. Welchen Wert hat die Kata in Japan?
Murayama-sensei: „Eine sehr hohe. In Japan werden bei Danprüfungen zuerst Kendo und am Ende die Kata gemacht.“

Frage: „Werden Sie nochmal bei Meisterschaften teilnehmen?
Murayama-sensei: „Yes.“ (lacht)
„Beim All-Japan muss man, um teilnehmen zu dürfen, erst die Vorrausscheidungen aus der eigenen Präfektur gewinnen. Da man in Teams antritt, kommen somit nur drei Personen jeweils weiter. Letztes Jahr (2018) gewann mein Team nicht, womit wir nicht in das All-Japan kamen. Doch ich werde noch bei mehreren Meisterschaften teilnehmen.“

Frage: „Wie hat es sich für Sie angefühlt, den 6. und den 7. Dan zu erreichen?
Murayama-sensei: „Seitdem bin ich gezwungen, meine Performance immer hinlegen zu können. Mein Meister sagte, dass es nicht ausreiche, die Performance vom 7. Dan nur bei der Prüfung hinlegen zu können. Man muss sie und die anderen davor immer beherrschen können, auch im Alter. Daran muss man arbeiten.“

Frage: „Und wie fühlen Sie sich?
Murayama-sensei : „Ich fühle mich zufriedener und habe mehr Selbstbewusstsein, wenn ich anderen etwas zeige. Man ruft mich jetzt -sensei.“
Dance Yokoo: „Also, wahrscheinlich waren viele von Euch noch nicht in Japan. Aber es gibt da verdammt viele 8. Dan-Träger! Würde man alle 7. Dans zu einem Asai Keiko einladen, würden sie alle gar nicht in diese Halle passen. In Japan ist 7. Dan zu sein etwas ziemlich Normales. Deswegen fühlt Sie sich als 7. Dan-Trägerin noch wie ein „Küken“.“

Frage: „Wie viele weibliche „Küken“ gibt es ungefähr in Japan?“
Murayama-sensei : „Wahrscheinlich sind es über 200.“

Fragerunde mit Chinatsu Murayama-sensei beim Neujahrsturnier 2019 in Erlangen
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